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Das jüngere Gebetbuch Karls V. gehört zu den kostbarsten Denkmälern der Spätphase der flämischen Buchmalerei. Es wurde nach 1540 für den Kaiser in einem Atelier in Flandern hergestellt, wo die Kunst der Buchmalerei auch noch zu einer Zeit, da sich der Buchdruck schon durchgesetzt hatte und das von Hand verfertigte Buch immer seltener wurde, in ungebrochener Kontinuität gepflegt wurde.

Das Gebetbuch überzeugt durch die Schönheit seiner künstlerischen Ausstattung. Sämtliche Schmuckelemente und Miniaturen sind in dunkler Grisailletechnik ausgeführt, wobei Goldhöhungen und feine Abstufungen von Hell und Dunkel der monochromen Malerei plastisches Leben verleihen. Durch das reduzierte Kolorit und die reiche Verwendung von Gold erhält dieses kostbare Gebetbuch einen besonders edlen Charakter und herrschaftlichen Glanz.

Inhaltlich entspricht das Gebetbuch in seinen wesentlichen Teilen dem Aufbau eines Stundenbuches, dessen Kern die Andacht zu Maria bildet, das aber auch zahlreiche andere fromme Gebete umfaßt. Der gesamte Komplex wird von einem Kalender eingeleitet. Den Text beleben rote Überschriften und Gebetsbezeichnungen sowie fallweise rote Majuskeln. Überaus zahlreich sind die Initialen – insgesamt sind es 429 –, die in Grau gehalten sind und auf schwarzem Grund, der mit Goldsand gefüllt ist und von Goldlinien gerahmt wird, stehen.

Sowohl die Renaissanceschrift der Texte als auch die bildlichen Darstellungen verraten italienische Einflüsse und bilden eine selten erreichte stilistische Einheit. Den figuralen Schmuck bilden drei ganzseitige Titelbilder, zwei astronomische Uhren, zwei Vignetten und insgesamt 73 Miniaturen, die allesamt in plastisch profilierte Rahmen einkomponiert sind und die frommen Gebete in anschaulicher Weise begleiten.

Bibliographisches

Die Faksimile-Ausgabe:
Codices Selecti Vol. XCVI.
Graz 1993. Vollständige farbige Faksimile-Ausgabe der 248 Seiten im Originalformat 140 x 75 mm.
3 ganzseitige Titelbilder,
2 astronomische Uhren, 2 Vignetten, 73 Miniaturen in Grisailletechnik mit Goldhöhungen und 429 Initialen. Alle Blätter sind originalgetreu randbeschnitten. Einband: roter Samt.

Der Kommentarband:
Graz 1993. Einführung von Otto Mazal, Wien.
112 Seiten, 14,3 x 20,3 cm, Leinen.
Faksimile und Kommentarband in einer Kassette.

Limitierte Auflage: 980 handnumerierte Exemplare

Euro 1 580,-
ISBN 978-3-201-01606-3

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